Wallbox zuhause installieren – So geht’s richtig
Eine eigene Wallbox ist der bequemste und günstigste Weg, Ihr Elektroauto zu laden. Statt an öffentlichen Säulen bis zu 0,79 €/kWh zu zahlen, laden Sie zuhause für 0,30–0,40 €/kWh – oder noch weniger, wenn Sie einen dynamischen Stromtarif nutzen. Doch bevor die Wallbox an der Wand hängt, müssen Sie einiges beachten.
In diesem Ratgeber erfahren Sie Schritt für Schritt, welche Voraussetzungen Ihr Hausanschluss erfüllen muss, was die Installation kostet, wann Sie eine Genehmigung brauchen und wie Sie den passenden Elektrofachbetrieb finden. Egal ob Eigenheim oder Tiefgarage – nach diesem Artikel wissen Sie genau, was zu tun ist.
Voraussetzungen prüfen
Bevor Sie eine Wallbox kaufen, sollten Sie die elektrische Infrastruktur Ihres Hauses prüfen. Die meisten Probleme und Mehrkosten entstehen, weil dieser Schritt übersprungen wird.
Hausanschluss und Zählerkasten
In Deutschland sind die meisten Einfamilienhäuser mit einem Drehstromanschluss (3×230/400 V) ausgestattet. Die typische Absicherung liegt bei 35 A oder 63 A je Phase. Für eine 11-kW-Wallbox benötigen Sie mindestens 16 A pro Phase – das ist bei den meisten Hausanschlüssen kein Problem. Bei 22 kW werden 32 A pro Phase fällig, und hier kann es eng werden.
Schauen Sie in Ihren Zählerkasten: Wie viele freie Platzeinheiten gibt es? Ist ein Fehlerstromschutzschalter (FI/RCD) vorhanden? Moderne Wallboxen benötigen einen FI Typ A-EV oder Typ B – viele Geräte haben allerdings bereits einen DC-Fehlerstromschutz integriert, sodass ein günstigerer Typ-A-FI ausreicht.
Leitungslänge und Kabelquerschnitt
Die Entfernung vom Zählerkasten zur Wallbox bestimmt den nötigen Kabelquerschnitt:
- Bis 15 m: 5×2,5 mm² reicht für 11 kW in den meisten Fällen
- 15–30 m: 5×4 mm² empfohlen
- Über 30 m: 5×6 mm² oder größer, um Spannungsabfall zu vermeiden
Bei einer 22-kW-Wallbox erhöht sich der Querschnitt entsprechend. Lassen Sie die genaue Dimensionierung unbedingt vom Elektrofachbetrieb berechnen – das ist keine Aufgabe für Laien.
Standort der Wallbox
Die meisten Wallboxen werden in der Garage oder am Carport montiert. Beachten Sie:
- IP-Schutzklasse: Im Außenbereich muss die Wallbox mindestens IP54 haben
- Kabelreichweite: Messen Sie den Abstand zum Ladeanschluss Ihres Fahrzeugs – die meisten Wallboxen haben 5–7,5 m Kabel
- Befestigung: Für Mauerwerk reichen Dübel, bei Holzständerwerk brauchen Sie eine Montageplatte
- Zugang: Die Wallbox sollte gut erreichbar sein und nicht im Schwenkbereich der Autotür hängen
Anmeldung und Genehmigung beim Netzbetreiber
Seit dem Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz (WEMoG) von 2020 haben Wohnungseigentümer und Mieter (mit Zustimmung des Vermieters) einen gesetzlichen Anspruch auf die Installation einer Wallbox. Doch Anspruch heißt nicht, dass man einfach losbohren darf.
Anmeldepflicht: Immer!
Jede Wallbox muss beim örtlichen Netzbetreiber (z. B. Westnetz, Stromnetz Berlin, Bayernwerk Netz) angemeldet werden. Das gilt für alle Leistungsklassen:
- Bis 11 kW: Anmeldepflichtig – der Netzbetreiber darf die Anmeldung nicht ablehnen
- Über 11 kW (z. B. 22 kW): Genehmigungspflichtig – der Netzbetreiber muss zustimmen und kann Auflagen erteilen oder in seltenen Fällen ablehnen
Die Anmeldung erfolgt in der Regel durch den installierenden Elektrofachbetrieb, der im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragen sein muss. Planen Sie für die Genehmigung einer 22-kW-Box 4–8 Wochen ein.
WEMoG: Ihr Recht auf eine Wallbox
Das WEMoG regelt, dass Eigentümer in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) einen Beschluss auf der Eigentümerversammlung erwirken können. Die Gemeinschaft muss zustimmen, kann aber über die Art und Weise der Durchführung mitbestimmen. Wichtig:
- Die Kosten trägt der antragstellende Eigentümer
- Die Gemeinschaft kann ein einheitliches Lademanagement verlangen
- Auch Mieter können vom Vermieter die Genehmigung verlangen, eine Wallbox auf eigene Kosten installieren zu lassen
Normen und Vorschriften
Die Installation muss nach den folgenden Normen erfolgen:
- VDE 0100-722: Errichtung von Niederspannungsanlagen – Stromversorgung von Elektrofahrzeugen
- VDE-AR-N 4100: Technische Anschlussregeln Niederspannung (TAR)
- DIN EN 61851: Konduktives Laden von Elektrofahrzeugen
Diese Normen schreiben unter anderem einen eigenen Stromkreis, den passenden Leitungsschutzschalter und den richtigen FI-Schutzschalter vor. Die Einhaltung gewährleistet Ihr Elektrofachbetrieb.
11 kW oder 22 kW – welche Wallbox passt?
Die Frage „11 oder 22 kW?“ beschäftigt fast jeden Wallbox-Käufer. Die kurze Antwort: Für die meisten Haushalte reicht 11 kW völlig aus. Hier die Details.
11 kW: Der Standard für zuhause
Eine 11-kW-Wallbox lädt mit 3×16 A und liefert rund 60–70 km Reichweite pro Stunde. In einer typischen Nächt (8–10 Stunden) werden 80–100 kWh nachgeladen – das entspricht einer vollen Batterie bei den meisten Elektroautos. Vorteile:
- Nur anmeldepflichtig (keine Genehmigung nötig)
- Geringere Belastung des Hausanschlusses
- Kein aufwendiger Netzausbau nötig
- Wallboxen ab ca. 300–500 € erhältlich
22 kW: Nur in Ausnahmefällen sinnvoll
Eine 22-kW-Wallbox lädt doppelt so schnell, doch in der Praxis ist der Vorteil für Privatnutzer gering:
- Viele E-Autos laden AC-seitig ohnehin nur mit 11 kW (z. B. VW ID.3, ID.4, BMW iX1, Mercedes EQA)
- Die Genehmigung durch den Netzbetreiber kann verweigert oder an Auflagen geknüpft werden
- Höhere Installationskosten durch größere Kabelquerschnitte und ggf. Zählerschrank-Umbau
- Bei dynamischem Lastmanagement wird die Leistung ohnehin oft reduziert
Eine 22-kW-Box lohnt sich nur, wenn Ihr Fahrzeug auch 22 kW AC laden kann (z. B. Renault Megane E-Tech, smart #1) und Sie tagsüber schnell nachladen müssen.
| Kriterium | 11 kW | 22 kW |
|---|---|---|
| Ladeleistung | 3×16 A | 3×32 A |
| Reichweite pro Stunde | ca. 60–70 km | ca. 120–140 km |
| Volle Ladung (60 kWh) | ca. 5,5 Std. | ca. 2,7 Std. |
| Netzbetreiber | Anmeldung | Genehmigung |
| Typische Kosten (Box) | 300–800 € | 600–1.500 € |
Unser Tipp: Investieren Sie lieber in eine smarte 11-kW-Wallbox mit WLAN, App-Steuerung und Lastmanagement. Damit sind Sie für die Zukunft bestens aufgestellt. In unserem Wallbox-Vergleich finden Sie die besten Modelle.
Kostenübersicht: Was kostet eine Wallbox-Installation?
Die Gesamtkosten für eine Wallbox-Installation in Deutschland liegen typischerweise zwischen 500 und 2.500 € – inklusive Gerät und Montage. Die genauen Kosten hängen von der Ausgangssituation ab.
Szenario 1: Einfache Garage (Zählerschrank in der Nähe)
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Wallbox (11 kW) | 300–800 € |
| Material (Kabel, Sicherung, FI) | 100–250 € |
| Elektrikerarbeit (2–4 Std.) | 200–500 € |
| Gesamt | 600–1.550 € |
Szenario 2: Zählerschrank im Keller, Wallbox in der Garage
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Wallbox (11 kW) | 300–800 € |
| Material (längere Leitung, Wanddurchbruch) | 200–500 € |
| Elektrikerarbeit (4–6 Std.) | 400–800 € |
| Gesamt | 900–2.100 € |
Szenario 3: Zählerschrank-Umbau nötig
Wenn der Zählerschrank veraltet ist (z. B. alte Schraubsicherungen, kein Platz für FI/LS), muss er vor der Wallbox-Installation modernisiert werden:
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Zählerschrank-Erneuerung | 800–2.500 € |
| Wallbox + Installation | 600–1.300 € |
| Gesamt | 1.400–3.800 € |
Spartipps
- Förderprogramme: Einige Bundesländer und Kommunen bieten noch Zuschüsse für Wallboxen (z. B. NRW.BANK, L-Bank). Prüfen Sie die aktuelle Förderlandschaft.
- Wallbox mit integriertem DC-Schutz: Spart den teuren Typ-B-FI (ca. 200–300 € Ersparnis)
- Mehrere Angebote einholen: Die Preisunterschiede zwischen Elektrikern sind erheblich – holen Sie mindestens drei Angebote ein
- PV-Anlage kombinieren: Wenn Sie sowieso eine Solaranlage planen, lassen Sie die Wallbox gleich mit installieren – das spart einen separaten Elektriker-Termin
Mit unserem Ladekosten-Rechner können Sie berechnen, wie schnell sich die Investition gegenüber öffentlichem Laden amortisiert.
Installation Schritt für Schritt
Wichtig: Die Installation einer Wallbox darf in Deutschland nur durch einen eingetragenen Elektrofachbetrieb erfolgen. Eigeninstallation ist nicht zulässig und gefährlich. Die folgenden Schritte zeigen, was Ihr Elektriker tun wird.
Schritt 1: Bestandsaufnahme vor Ort
Ein guter Elektrofachbetrieb beginnt mit einer Vor-Ort-Begehung. Dabei prüft er:
- Zustand und Kapazität des Zählerschranks
- Verfügbare Absicherung und freie Platzeinheiten
- Leitungswege und -längen
- Montageort der Wallbox (Wandbeschaffenheit, IP-Schutz)
Auf Basis dieser Bestandsaufnahme erhalten Sie ein verbindliches Angebot.
Schritt 2: Anmeldung beim Netzbetreiber
Der Elektriker meldet die Wallbox beim zuständigen Netzbetreiber an. Bei 11 kW ist das eine reine Formalität (Bearbeitungszeit: wenige Tage). Bei 22 kW beginnt ein Genehmigungsverfahren, das mehrere Wochen dauern kann.
Schritt 3: Sicherungskasten vorbereiten
Im Zählerkasten werden installiert:
- Leitungsschutzschalter (LS): 3-polig, B16 oder C16 (bei 11 kW)
- FI-Schutzschalter: Typ A-EV oder Typ B, 30 mA Auslösestrom
- Ggf. Schaltaktor für Rundsteuerempfänger (Netzbetreiber-Anforderung nach §14a EnWG)
Schritt 4: Kabelverlegung
Die Zuleitung wird vom Zählerschrank zur Wallbox verlegt. Je nach Situation Aufputz in Kabelkanälen, Unterputz oder durch Erdkabel (bei freistehender Garage). Der Querschnitt muss nach VDE 0100-520 berechnet werden.
Schritt 5: Wallbox montieren und anschließen
Die Wallbox wird an der Wand befestigt und die Zuleitung fachgerecht angeschlossen. Alle Verbindungen werden mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen. Der Elektriker führt eine Erstprüfung nach VDE 0100-600 durch: Isolationsmessung, Schleifenimpedanz, RCD-Auslösetest.
Schritt 6: Inbetriebnahme und Einweisung
Nach erfolgreicher Prüfung wird die Wallbox in Betrieb genommen. Der Elektriker zeigt Ihnen die Bedienung, richtet ggf. die App ein und übergibt das Inbetriebnahmeprotokoll. Dieses Dokument sollten Sie sorgfältig aufbewahren – es ist Nachweis für die fachgerechte Installation.
Häufige Fehler bei der Wallbox-Installation
Aus Hunderten von Installationsberichten haben wir die typischsten Fehler zusammengetragen – damit Sie diese von vornherein vermeiden.
Fehler 1: Keinen eingetragenen Fachbetrieb beauftragen
Der Elektriker muss im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragen sein. Nur dann darf er am Zählerschrank arbeiten und die Anmeldung vornehmen. Ein „Hobby-Elektriker“ oder ein nicht eingetragener Betrieb kann die Wallbox weder anmelden noch versicherungskonform installieren.
Fehler 2: Anmeldung beim Netzbetreiber vergessen
Eine nicht angemeldete Wallbox verstößt gegen die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV). Im schlimmsten Fall droht die Sperrung des Hausanschlusses. Außerdem erlischt die Gewährleistung vieler Wallbox-Hersteller bei nicht fachgerechter Installation.
Fehler 3: Falscher FI-Schutzschalter
Ein normaler FI Typ A reicht für eine Wallbox nicht aus, wenn die Box keinen integrierten DC-Fehlerschutz hat. In diesem Fall ist ein teurer Typ-B-FI (ca. 200–400 €) nötig. Viele moderne Wallboxen (z. B. Easee Charge, go-eCharger, Heidelberg Wallbox) haben den DC-Schutz bereits eingebaut – dann genügt ein Typ-A-EV-FI (ca. 100–150 €).
Fehler 4: Bestehende Steckdose nutzen statt Wallbox
Viele Neulinge laden ihr E-Auto über eine normale Schuko-Steckdose – das ist höchstens als Notlösung akzeptabel. Die Steckdose wird stundenlang mit fast maximaler Last betrieben, was zu Überhitzung und im Extremfall zu einem Kabelbrand führen kann. Eine Wallbox hat Temperaturüberwachung, FI-Schutz und kommuniziert mit dem Fahrzeug – das kann eine Steckdose nicht.
Fehler 5: Kein Lastmanagement einplanen
Wenn mehrere große Verbraucher gleichzeitig laufen (Herd, Durchlauferhitzer, Wallbox), kann der Hausanschluss überlastet werden. Ein dynamisches Lastmanagement drosselt die Wallbox automatisch, wenn der Gesamtverbrauch kritisch wird. Diese Funktion sollte bei knappem Hausanschluss Pflicht sein – und kostet bei smarten Wallboxen nichts extra.
Fehler 6: §14a EnWG ignorieren
Seit 2024 gilt die Neuregelung nach §14a EnWG: Wallboxen gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Der Netzbetreiber darf die Ladeleistung bei Netzengpässen temporär auf 4,2 kW drosseln. Dafür erhalten Sie reduzierte Netzentgelte. Ihr Elektriker muss die Wallbox entsprechend anschließen und beim Netzbetreiber als steuerbar registrieren.
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Häufig gestellte Fragen
Darf ich eine Wallbox selbst installieren?
Nein. In Deutschland darf die Installation nur durch einen im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragenen Elektrofachbetrieb erfolgen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und Voraussetzung für Versicherungsschutz und Herstellergewährleistung.
Was kostet die Installation einer Wallbox insgesamt?
Die Gesamtkosten inklusive Wallbox liegen bei 600–2.500 €. Eine einfache Installation im Eigenheim mit Zählerschrank in der Garage kostet 600–1.500 €. Bei längeren Kabelwegen oder nötigem Zählerschrank-Umbau steigen die Kosten auf 1.500–3.800 €. Nutzen Sie unseren Ladekosten-Rechner, um die Amortisation zu berechnen.
Brauche ich für 11 kW eine Genehmigung?
Eine 11-kW-Wallbox ist anmeldepflichtig, aber nicht genehmigungspflichtig. Das heißt: Sie müssen den Netzbetreiber informieren, dieser darf die Installation aber nicht ablehnen. Ab 12 kW ist eine Genehmigung nötig, die der Netzbetreiber auch verweigern kann.
Wie lange dauert die Wallbox-Installation?
Die reine Montage dauert 2–6 Stunden, je nach Kabelweg und Zählerschrank-Zustand. Die Anmeldung beim Netzbetreiber (11 kW) ist in wenigen Tagen erledigt. Bei 22 kW kann die Genehmigung 4–8 Wochen dauern. Planen Sie vom Erstkontakt bis zur fertigen Wallbox insgesamt 2–4 Wochen ein.
Welchen FI-Schutzschalter brauche ich für eine Wallbox?
Mindestens einen FI Typ A mit 30 mA. Hat Ihre Wallbox keinen integrierten DC-Fehlerstromschutz, benötigen Sie einen teuren Typ-B-FI (200–400 €). Die meisten modernen Wallboxen haben den DC-Schutz bereits eingebaut – dann reicht ein Typ-A-EV-FI (100–150 €). Prüfen Sie das Datenblatt Ihrer Wallbox.