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Ladestation für Elektroautos – sichere Installation statt Verlängerungskabel
Eine fest installierte Ladestation ist immer die sicherste Lösung – Verlängerungskabel sind kein Ersatz.

Darf man ein Verlängerungskabel für die Wallbox nutzen?

· Von CheapEVCharger Team

Die Versuchung ist groß: Das Elektroauto steht auf dem Stellplatz, die Wallbox oder die nächste Steckdose ist aber zu weit weg. Also schnell ein Verlängerungskabel dazwischen – Problem gelöst? Leider nein. Ein falsches Kabel kann überhitzen, schmelzen und im schlimmsten Fall einen Kabelbrand auslösen.

In diesem Artikel erklären wir, warum herkömmliche Verlängerungskabel für das Laden von Elektroautos nicht geeignet sind, welche sicheren Alternativen es gibt und was die VDE-Normen dazu vorschreiben.

Warum Schuko-Verlängerungskabel gefährlich sind

Eine normale Schuko-Steckdose (Typ F) ist für Dauerlasten von maximal 10 Ampere ausgelegt – auch wenn der Sicherungsautomat erst bei 16 A auslöst. Das Problem: Beim Laden eines Elektroautos fließt der Strom stundenlang ohne Unterbrechung. Das ist eine sogenannte Dauerlast, für die Schuko-Steckdosen und herkömmliche Verlängerungskabel nicht konzipiert sind.

Was bei Dauerlast passiert

Bei Dauerlast am oberen Limit erwärmen sich die Kontakte in Stecker und Steckdose. Bei einem Verlängerungskabel verdoppeln sich die Kontaktstellen – und damit die potenziellen Wärmequellen:

  • Lockere Kontakte in billigen Kabeltrommelverbindungen werden heiß
  • Dünne Kabelquerschnitte (1,0 oder 1,5 mm²) erwärmen sich übermäßig
  • Aufgerollte Kabeltrommel: Wird das Kabel nicht vollständig abgerollt, kann sich die Wärme nicht abführen – Brandgefahr!
  • Feuchtigkeit im Außenbereich: Nicht spritzwassergeschützte Verbindungen können Kurzschlüsse verursachen

Reale Brandgefälle

Die Feuerwehren und der VDE berichten regelmäßig von Brandfällen, die auf das Laden von Elektroautos über ungeeignete Verlängerungskabel zurückzuführen sind. Typisches Szenario: Eine Kabeltrommel mit 1,5-mm²-Leitung, nicht vollständig abgerollt, lädt über Nacht ein E-Auto mit 10 A. Nach einigen Stunden schmelzen die Kontakte, das Kunststoffgehäuse fängt Feuer.

Zusammengefasst: Herkömmliche Schuko-Verlängerungskabel und Kabeltrommeln sind für das Laden von Elektroautos nicht geeignet und brandgefährlich.

Maximale Belastung: Die Zahlen

Um zu verstehen, warum bestimmte Kabel funktionieren und andere nicht, hilft ein Blick auf die elektrischen Grundlagen:

AnschlussartSpannungMax. DauerstromMax. LadeleistungReichweite/Stunde
Schuko (Typ F)230 V / 1-phasig10 A (Dauerlast)2,3 kWca. 12–15 km
CEE blau (Typ 2P+E)230 V / 1-phasig16 A3,7 kWca. 20–25 km
CEE rot 16 A (Typ 6h)400 V / 3-phasig16 A11 kWca. 60–70 km
CEE rot 32 A (Typ 6h)400 V / 3-phasig32 A22 kWca. 120–140 km
Wallbox (Typ 2)400 V / 3-phasig16–32 A11–22 kWca. 60–140 km

Kabelquerschnitt und Länge

Je länger das Kabel, desto größer der Spannungsabfall und desto mehr Wärme entsteht. Die folgende Tabelle zeigt den mindestens erforderlichen Kabelquerschnitt für verschiedene Längen bei Dauerlast:

StromBis 10 m10–25 mÜber 25 m
10 A (Schuko)1,5 mm²2,5 mm²4,0 mm²
16 A (CEE blau)2,5 mm²4,0 mm²6,0 mm²
16 A (CEE rot, 3-phasig)2,5 mm²4,0 mm²6,0 mm²
32 A (CEE rot, 3-phasig)6,0 mm²6,0 mm²10,0 mm²

Fazit: Ein typisches Haushalts-Verlängerungskabel hat 1,5 mm² – das ist selbst für 10 A Dauerlast nur bei kurzen Längen (unter 10 m) grenzwertig akzeptabel. Für höhere Leistungen ist es schlicht ungeeignet.

CEE-Stecker: Die sichere Alternative

Wenn Sie eine temporäre Ladelösung brauchen (z. B. auf einem Campingplatz, bei Verwandten oder am Ferienhaus), sind CEE-Verlängerungskabel die einzige verantwortbare Option.

CEE blau (Camping-Stecker)

Der blaue CEE-Stecker (auch „Campingstecker“ genannt) ist für 16 A Dauerlast bei 230 V ausgelegt. Er hat verriegelnde Kontakte, die deutlich sicherer sind als Schuko. Ein CEE-blau-Verlängerungskabel mit 2,5 mm² Querschnitt (H07RN-F) und einer Länge von maximal 25 m ist für das Laden mit einem mobilen Lader bei 3,7 kW geeignet.

Wichtig: Sie benötigen ein mobiles Ladegerät (ICCB) mit CEE-blau-Stecker, z. B. den NRGkick oder den Juice Booster 2. Eine einfache CEE-Verlängerung allein genügt nicht – das ICCB enthält den vorgeschriebenen FI-Schutz und die Kommunikation mit dem Fahrzeug.

CEE rot (Drehstrom)

Der rote CEE-Stecker ist für 3-phasigen Drehstrom ausgelegt:

  • CEE rot 16 A: Bis 11 kW Ladeleistung – die „volle Power“ für mobiles Laden
  • CEE rot 32 A: Bis 22 kW Ladeleistung – eher für stationäre Installationen relevant

CEE-rot-Verlängerungen sind robust, spritzwassergeschützt (IP44) und für Dauerlast dimensioniert. Achten Sie auf Gummikabel H07RN-F mit ausreichendem Querschnitt (mindestens 2,5 mm² bei 16 A, 6,0 mm² bei 32 A).

Qualitätsmerkmale für sichere Kabel

Wenn Sie ein CEE-Verlängerungskabel kaufen, achten Sie auf:

  • Kabeltyp H07RN-F: Schwere Gummischlauchleitung, für Außenbereich geeignet
  • VDE-Zeichen: Nur VDE-geprüfte Kabel verwenden
  • CE-Kennzeichnung: Muss vorhanden sein
  • IP44 oder höher: Schutz gegen Spritzwasser
  • Korrekte Länge: So kurz wie möglich, um Spannungsabfall zu minimieren

VDE-Normen und Vorschriften

Die wichtigsten Normen und Vorschriften für das Laden von Elektroautos in Deutschland:

VDE 0100-722: Laden von Elektrofahrzeugen

Diese Norm regelt die elektrische Installation von Ladepunkten. Zentrale Anforderungen:

  • Jeder Ladepunkt benötigt einen eigenen Stromkreis mit dedizierter Absicherung
  • Ein Fehlerstromschutzschalter (RCD) mit maximal 30 mA Auslösestrom ist vorgeschrieben
  • Die Installation darf nur durch eine Elektrofachkraft erfolgen
  • Verlängerungskabel zwischen Wallbox und Steckdose sind nicht normkonform

DIN EN 61851-1: Konduktives Laden

Diese europäische Norm definiert die Lademodi für Elektrofahrzeuge:

  • Modus 1: Laden an normaler Steckdose ohne Schutzeinrichtung – in Deutschland nicht zulässig
  • Modus 2: Laden an normaler Steckdose mit ICCB (In-Cable Control Box) – erlaubt, aber nur als Notlösung empfohlen
  • Modus 3: Laden an Wallbox/Ladesäule – der Standard für zuhause
  • Modus 4: DC-Schnellladen – nur an dedizierten Säulen

Versicherungsrechtliche Konsequenzen

Laden Sie Ihr Elektroauto über ein ungeeignetes Verlängerungskabel und es kommt zum Brand, hat das versicherungsrechtliche Folgen:

  • Die Gebäudeversicherung kann die Leistung kürzen oder verweigern, wenn grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen wird
  • Die Kfz-Versicherung deckt Schäden am Fahrzeug in der Regel ab, kann aber Regress beim Verursacher nehmen
  • Die Haftpflichtversicherung des Wallbox-Herstellers greift nicht, wenn die Installation nicht normkonform war

Sparen Sie nicht an der falschen Stelle. Eine fachgerechte Wallbox-Installation schützt Sie, Ihre Familie und Ihr Eigentum. In unserem Ratgeber zur Wallbox-Installation zuhause erfahren Sie alles über die korrekte Vorgehensweise.

Sichere Lösungen für schwierige Situationen

Nicht jeder hat die Möglichkeit, sofort eine Wallbox installieren zu lassen. Hier sind die sichersten Alternativen für verschiedene Szenarien:

Szenario 1: Stellplatz weit vom Zählerkasten entfernt

Die richtige Lösung ist nicht ein langes Verlängerungskabel, sondern eine professionell verlegte Zuleitung zur Wallbox. Der Elektriker verlegt ein Kabel mit ausreichendem Querschnitt (z. B. 5×6 mm²) fest in der Wand oder im Kabelkanal. Kosten: 200–800 € für Material und Arbeitszeit, je nach Länge.

Szenario 2: Mieter ohne Wallbox-Möglichkeit

Als Mieter haben Sie nach dem WEMoG das Recht, eine Wallbox installieren zu lassen (auf eigene Kosten). Bis die Installation steht, ist ein mobiles Ladegerät (ICCB) mit Schuko-Stecker die sicherste Übergangslösung:

  • Auf maximal 10 A begrenzen (die meisten ICCBs bieten diese Einstellung)
  • Direkt an eine wandfeste Schuko-Steckdose anschließen – kein Verlängerungskabel
  • Die Steckdose vorher vom Elektriker prüfen lassen (Kontakte, Absicherung)

Szenario 3: Mobile Lösung für unterwegs

Für Reisen und Urlaub sind mobile Lader mit Adapter-Set ideal:

  • NRGkick: Bis 22 kW, Adapter für Schuko, CEE blau und CEE rot, App-Steuerung, integrierter FI
  • Juice Booster 2: Ähnliche Funktionalität, robustes Gehäuse, überfährsicher
  • go-e Charger Gemini flex: Kompakt, mit Adapter-System, WLAN-Steuerung

Diese Geräte haben den entscheidenden Vorteil: Sie enthalten einen integrierten FI-Schutzschalter, überwachen die Temperatur an Stecker und Kabel und reduzieren die Ladeleistung automatisch, wenn die Temperatur steigt. Das macht sie deutlich sicherer als jede Kombination aus Verlängerungskabel und einfachem Ladekabel.

Szenario 4: Vorhandene CEE-Dose nutzen

Haben Sie bereits eine CEE-rot-Steckdose in der Garage (z. B. für eine Kreissäge oder einen Kompressor), können Sie daran sofort mit einem mobilen Lader und CEE-rot-Adapter laden – mit voller Leistung (11 kW bei 16 A, 22 kW bei 32 A). Das ist normkonform und sicher, solange Sie ein geprüftes ICCB verwenden.

Für welche Lösung Sie sich auch entscheiden: Informieren Sie sich über die Anforderungen an einen eigenen Stromkreis für Ihre Wallbox.

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Häufig gestellte Fragen

Kann ich mein E-Auto mit einem Verlängerungskabel laden?

Dringend davon abgeraten. Herkömmliche Schuko-Verlängerungskabel sind für die Dauerlast beim E-Auto-Laden nicht ausgelegt und stellen ein Brandrisiko dar. Wenn Sie übergangsweise laden müssen, nutzen Sie ein mobiles Ladegerät (ICCB) direkt an einer wandfesten Steckdose – ohne Verlängerung.

Welches Kabel ist für E-Auto-Laden sicher?

Für mobiles Laden sind CEE-Verlängerungskabel mit Gummischlauchleitung (H07RN-F) und ausreichendem Querschnitt die sicherste Option. CEE blau (16 A) für 3,7 kW, CEE rot (16 A) für 11 kW. Immer in Kombination mit einem geprüften mobilen Ladegerät (ICCB) mit integriertem FI-Schutz verwenden.

Wie viel kW kann eine Schuko-Steckdose liefern?

Eine Schuko-Steckdose kann maximal 3,7 kW (230 V × 16 A) liefern, für Dauerlast sind aber nur 2,3 kW (10 A) sicher. Beim E-Auto-Laden sollten Sie deshalb ein ICCB verwenden, das auf 10 A begrenzt ist, und die Steckdose vorher vom Elektriker prüfen lassen.

Was passiert, wenn ich trotzdem ein Verlängerungskabel nutze?

Im besten Fall passiert nichts. Im schlechtesten Fall überhitzen die Kontakte, das Kabel schmilzt und es kommt zum Kabelbrand. Zusätzlich kann die Versicherung bei einem Brandschaden die Leistung kürzen, wenn nachgewiesen wird, dass ein ungeeignetes Kabel verwendet wurde. Das Risiko ist den vermeintlichen Komfort nicht wert.