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Elektroauto vor dem Haus an der Wallbox angeschlossen – Setup für zwei E-Autos
Mit dem richtigen Setup laden zwei Elektroautos problemlos über Nacht – auch ohne Hausanschluss-Upgrade.

Zwei Elektroautos zuhause laden – Lastmanagement, doppelte Wallbox & was Sie brauchen

· Von CheapEVCharger Team

Der Haushalt hat jetzt zwei Elektroautos – herzlichen Glückwunsch. Sie sparen doppelt beim Sprit, fahren emissionsfrei und genießen das lautlose Gleiten. Doch abends in der Garage kommt die Frage: Wie lade ich beide Autos über Nacht?

Sie sind nicht allein: Die Zahl der Mehrfach-E-Auto-Haushalte in Deutschland wächst rasant. Laut Kraftfahrt-Bundesamt lag der E-Auto-Bestand Anfang 2026 bei über 2,5 Millionen Fahrzeugen – und immer häufiger steht nicht nur ein, sondern zwei Stromer in der Einfahrt. Die Herausforderung ist nicht, ob man zwei E-Autos zuhause laden kann – sondern wie man es praktisch und bezahlbar macht, ohne den Hausanschluss zu überlasten.

Dieser Ratgeber zeigt alle Optionen: zwei separate Wallboxen, dynamisches Lastmanagement, zeitversetztes Laden und die Kombination aus Wallbox und Schuko-Steckdose. Wir rechnen die Elektrik durch, vergleichen Kosten und zeigen konkrete Produkte für den deutschen Markt.

Die wachsende Herausforderung: Zwei E-Autos zuhause laden

Der durchschnittliche deutsche Haushalt besitzt 1,5 Pkw. Wenn das erste E-Auto jährlich 1.000–1.500 € an Spritkosten spart, verdoppelt ein zweiter Stromer diese Ersparnis. Doch die Ladeinfrastruktur zuhause, die für ein Auto perfekt funktioniert hat, muss plötzlich die doppelte Energiemenge liefern.

Ein typisches Szenario

So sieht ein Zwei-E-Auto-Haushalt in Deutschland 2026 aus:

  • Auto 1: VW ID.4 Pro mit 77-kWh-Batterie, 45 km Pendelstrecke täglich
  • Auto 2: Tesla Model 3 mit 60-kWh-Batterie, 30 km Pendelstrecke plus Wochenendeinkäufe
  • Ladefenster: 18:00 bis 7:00 Uhr (13 Stunden), idealerweise mit günstigem Nachtstromtarif (22:00–6:00 Uhr)
  • Täglicher Energiebedarf: Etwa 14 kWh für Auto 1 + 10 kWh für Auto 2 = 24 kWh gesamt

24 kWh sind keine riesige Energiemenge. Eine einzelne 11-kW-Wallbox liefert das in gut 2 Stunden. Die Herausforderung liegt nicht in der Gesamtenergie – sie liegt in Logistik und elektrischer Kapazität: Verkraftet Ihr Hausanschluss zwei Wallboxen gleichzeitig? Reicht eine Wallbox für beide Autos? Und was kostet das Ganze?

Warum das jetzt relevant ist

Wenn Sie 2026 Ihr zweites E-Auto kaufen, haben Sie mehr Möglichkeiten als je zuvor: Wallboxen mit integriertem Lastmanagement, dynamische Leistungsverteilung und intelligente Ladesteuerung per App bedeuten, dass Sie nicht unbedingt einen teuren Hausanschluss-Upgrade brauchen. Aber Sie sollten Ihre Optionen kennen, bevor der Elektriker kommt – denn die falsche Lösung kann tausende Euro mehr kosten als nötig.

Fangen wir mit dem wichtigsten Faktor an: Ihrem Hausanschluss und Zählerkasten.

Elektrische Voraussetzungen: Hausanschluss und Zählerkasten

Der Hausanschluss ist der Flaschenhals für das Laden von zwei E-Autos. Bevor Sie sich für Wallboxen entscheiden, müssen Sie wissen, ob Ihr Anschluss die Last verkraftet – und was zu tun ist, wenn nicht.

Typische Hausanschlüsse in Deutschland

In deutschen Einfamilienhäusern ist ein 3-phasiger Drehstromanschluss Standard. Die Absicherung über die Hauptsicherung (NH-Sicherung) im Hausanschlusskasten bestimmt die maximale Leistung:

Hauptsicherung Max. Leistung (3-phasig) Typisch verfügbar für E-Autos Zwei Wallboxen möglich?
3 × 25 A ~17 kW 5–8 kW nach Abzug Haushaltsverbrauch Nur eine 11-kW-Wallbox, und auch das knapp
3 × 35 A ~24 kW 10–15 kW nach Abzug Eine 11-kW-Wallbox problemlos, zwei nur mit Lastmanagement
3 × 50 A ~35 kW 15–25 kW nach Abzug Zwei 11-kW-Wallboxen mit Lastmanagement, oder eine ohne Einschränkung
3 × 63 A ~43 kW 20–30 kW nach Abzug Zwei 11-kW-Wallboxen problemlos

So ermitteln Sie Ihre verfügbare Kapazität

Um zu prüfen, ob Ihr Hausanschluss zwei Wallboxen verkraftet, brauchen Sie eine grobe Lastberechnung:

  1. Hauptsicherung ablesen: Schauen Sie im Hausanschlusskasten (meist im Keller) nach der NH-Sicherung – typisch 3 × 35 A oder 3 × 50 A
  2. Große Verbraucher addieren: Durchlauferhitzer (18–27 kW, aber nur kurzzeitig), Herd (7–11 kW), Wärmepumpe (3–6 kW), Sauna (6–9 kW)
  3. Gleichzeitigkeitsfaktor beachten: Nicht alle Geräte laufen gleichzeitig. Ein Elektriker rechnet mit einem Gleichzeitigkeitsfaktor gemäß DIN 18015
  4. Restkapazität berechnen: Die verbleibende Leistung steht für Wallboxen zur Verfügung

Beispiel für einen typischen Haushalt mit 3 × 35 A:

  • Maximale Leistung: 3 × 35 A × 230 V = 24,2 kW
  • Durchschnittlicher Haushaltsverbrauch (Spitze): ~8–12 kW
  • Verfügbar für E-Auto: 12–16 kW
  • Eine 11-kW-Wallbox: Problemlos
  • Zwei 11-kW-Wallboxen gleichzeitig (22 kW): Überschreitet die Kapazität

Die Lösung: Lastmanagement. Ein intelligentes System drosselt die Wallboxen automatisch, wenn der Hausverbrauch steigt – und gibt volle Leistung frei, wenn der Haushalt wenig zieht (nachts). Mehr zum Thema Stromkreise und Installation lesen Sie in unserem Ratgeber zum eigenen Stromkreis für die Wallbox.

Meldepflicht und Genehmigung

In Deutschland gelten klare Regeln nach der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) Ihres Netzbetreibers:

  • Bis 11 kW: Meldepflicht beim Netzbetreiber – Sie müssen die Wallbox anmelden, brauchen aber keine Genehmigung
  • Über 11 kW (z.B. 22 kW): Genehmigungspflicht – der Netzbetreiber muss die Installation genehmigen, bevor sie in Betrieb genommen wird
  • Zwei 11-kW-Wallboxen: Jede muss einzeln angemeldet werden. Manche Netzbetreiber prüfen dann den Hausanschluss genauer

Tipp: Melden Sie beide Wallboxen gleichzeitig an und weisen Sie auf das geplante Lastmanagement hin. Das beschleunigt den Prozess erheblich.

Option 1: Zwei separate Wallboxen auf eigenen Stromkreisen

Der einfachste Ansatz: Zwei unabhängige Wallboxen, jede auf einem eigenen abgesicherten Stromkreis. Beide Autos laden gleichzeitig mit voller Geschwindigkeit – aber diese Lösung braucht die meiste elektrische Kapazität und ist am teuersten.

Was Sie brauchen

  • Zwei dedizierte Drehstromkreise (je 3 × 16 A für 11 kW, abgesichert mit einem Leitungsschutzschalter B16A 3-polig)
  • Zwei FI-Schutzschalter: Typ A EV oder Typ B (je nach Wallbox – manche haben den DC-Fehlerstromschutz integriert)
  • Ausreichend Platz im Zählerkasten: Für zwei zusätzliche LS-Schalter und FI-Schutzschalter
  • Hausanschluss mit mindestens 3 × 50 A: Damit beide Wallboxen plus Haushalt gleichzeitig laufen können

Kostenübersicht

Posten Kosten pro Wallbox Kosten für zwei Wallboxen
Wallbox-Hardware 300–800 € 600–1.600 €
FI-Schutzschalter + LS 150–350 € 300–700 €
Kabelverlegung + Material 100–400 € 200–800 €
Elektriker-Arbeit 300–600 € 500–1.000 €
Anmeldung Netzbetreiber 0 € 0 €
Gesamt 850–2.150 € 1.600–4.100 €

Vorteile

  • Beide Autos laden gleichzeitig mit voller Leistung – keine Kompromisse
  • Keine Abhängigkeit zwischen den Wallboxen – fällt eine aus, funktioniert die andere
  • Technisch die einfachste Lösung – kein Lastmanagement-Software nötig
  • Jeder Fahrer steckt ein und lädt, ohne Absprache

Nachteile

  • Höchste Anforderung an den Hausanschluss – 22 kW zusätzlich für zwei 11-kW-Wallboxen
  • Teuerste Installation – zwei komplette Stromkreise vom Zählerkasten
  • Eventuell Hausanschluss-Upgrade nötig bei 3 × 25 A oder 3 × 35 A (kostet 1.000–3.000 € beim Netzbetreiber)
  • Für die meisten Haushalte überdimensioniert – der tägliche Ladebedarf braucht selten zwei Wallboxen auf Volllast

Für wen geeignet

Haushalte mit einem Hausanschluss ab 3 × 50 A und genügend Platz im Zählerkasten. Besonders sinnvoll, wenn beide Fahrzeuge große Batterien (70+ kWh) und lange Pendelstrecken (60+ km) haben. Bei kleineren Hausanschlüssen ist Option 2 (Lastmanagement) die bessere Wahl.

Option 2: Lastmanagement – die smarteste Lösung

Lastmanagement – auch Lademanagement oder Load Balancing genannt – ist für die meisten Zwei-E-Auto-Haushalte die beste Lösung. Statt zwei volle Stromkreise zu benötigen, teilen sich zwei Wallboxen die verfügbare Leistung intelligent auf.

Wie Lastmanagement funktioniert

Es gibt zwei Varianten:

1. Statisches Lastmanagement: Die maximale Gesamtleistung für beide Wallboxen wird fest definiert (z.B. 16 kW). Laden beide Autos gleichzeitig, bekommt jede Wallbox die Hälfte (8 kW). Lädt nur ein Auto, bekommt es die vollen 16 kW. Einfach, zuverlässig, braucht keine zusätzliche Hardware.

2. Dynamisches Lastmanagement: Ein Stromwandler (CT-Klemme) am Hausanschluss misst den aktuellen Gesamtverbrauch in Echtzeit. Wenn der Haushalt wenig verbraucht (nachts, Heizung aus), laden die Wallboxen mit voller Leistung. Steigt der Hausverbrauch (Durchlauferhitzer, Herd), drosseln die Wallboxen automatisch. So nutzen Sie Ihren Hausanschluss optimal aus, ohne ihn zu überlasten.

Wallboxen mit integriertem Lastmanagement

Mehrere Wallboxen auf dem deutschen Markt haben Lastmanagement-Funktionen eingebaut:

go-eCharger Gemini flex 2.0 (ab 646 €): Der go-eCharger bietet integriertes Lastmanagement per App und offene API. Zwei go-eCharger kommunizieren über WLAN und teilen die verfügbare Leistung automatisch auf. Besonders praktisch: Das Lastmanagement funktioniert auch mit dem optionalen go-e Controller, der den Hausverbrauch in Echtzeit misst. Die offene API ermöglicht zudem die Integration in Home Assistant oder openWB für maximale Flexibilität.

Heidelberg Energy Control (ab 459 €): Die Heidelberg unterstützt Lastmanagement für bis zu 16 Wallboxen in Reihe – ideal für Mehrfamilienhäuser und Tiefgaragen. Die Verteilung erfolgt über eine physische Verdrahtung zwischen den Wallboxen, ohne WLAN oder Cloud. Einfach, zuverlässig und bewährt seit Jahren. Allerdings nur statisches Lastmanagement – kein dynamisches Anpassen an den Hausverbrauch.

Wallbox Pulsar Plus (ab 600 €): Die Wallbox Pulsar Plus bietet Power Boost (dynamisches Lastmanagement per CT-Klemme) und Power Sharing (Leistungsverteilung zwischen mehreren Wallbox-Einheiten). Die App ermöglicht granulare Steuerung: Welches Auto hat Priorität? Wie wird die Leistung verteilt? Bis zu 25 Wallboxen können vernetzt werden.

Kosten-Vorteil durch Lastmanagement

Variante Benötigte Kapazität Hausanschluss-Upgrade? Typische Gesamtkosten
Zwei separate Wallboxen (ohne LM) 22 kW zusätzlich Oft ja (bei 3 × 35 A) 1.600–4.100 €
Zwei Wallboxen mit statischem LM 11 kW zusätzlich Selten 1.200–2.800 €
Zwei Wallboxen mit dynamischem LM So wenig wie 6–8 kW zusätzlich Fast nie 1.400–3.000 €

Vorteile

  • Geringere Anforderung an den Hausanschluss – funktioniert auch mit 3 × 35 A
  • Kein teures Hausanschluss-Upgrade in den meisten Fällen
  • Beide Autos laden gleichzeitig – wenn auch mit reduzierter Leistung
  • Nachts, wenn der Hausverbrauch minimal ist, laden beide Wallboxen fast mit Vollleistung

Nachteile

  • Jedes Auto lädt langsamer bei gleichzeitigem Laden (halbe Leistung bei Fifty-fifty-Verteilung)
  • Erfordert Wallboxen vom gleichen Hersteller (go-e + go-e, Heidelberg + Heidelberg, Wallbox + Wallbox)
  • Etwas komplexere Installation – CT-Klemmen, WLAN-Kopplung, App-Konfiguration
  • Bei Software-Fehlern kann eine Wallbox die andere beeinflussen

Für die meisten deutschen Haushalte ist Lastmanagement die optimale Balance aus Komfort und Kosten. Sie können zwei Autos bequem über Nacht laden, ohne den Hausanschluss aufzurüsten. Mehr zu Wallbox-Optionen finden Sie in unserem Vergleich der besten günstigen Wallboxen.

Option 3: Zeitversetztes Laden mit einer Wallbox

Die einfachste und günstigste Lösung: Eine Wallbox für zwei Autos nutzen, indem Sie nacheinander laden. Das kostet nichts zusätzlich und funktioniert überraschend gut für die meisten Fahrmuster.

Wie es funktioniert

Mit einer einzigen 11-kW-Wallbox laden Sie nacheinander:

  • Manuelles Wechseln: Auto 1 lädt am Montag, Mittwoch, Freitag. Auto 2 am Dienstag, Donnerstag, Samstag. Sonntag bekommt das Auto, das es mehr braucht.
  • Split-Nacht-Methode: Auto 1 steckt um 18:00 Uhr ein und lädt bis Mitternacht (6 Stunden = ~66 kWh bei 11 kW). Um Mitternacht umstecken auf Auto 2, das bis 7:00 Uhr lädt (7 Stunden = ~77 kWh).
  • Smarte Timer-Steuerung: Viele Wallboxen und E-Autos haben eingebaute Timer. Auto 1 auf „fertig bis 23:00 Uhr" einstellen, dann umstecken und Auto 2 den Rest der Nacht laden lassen.

Reicht eine 11-kW-Wallbox für zwei Autos?

Rechnen wir nach – bei 11 kW Ladeleistung und einem 13-Stunden-Fenster (18:00 bis 7:00 Uhr):

Szenario Täglicher kWh-Bedarf Ladezeit gesamt Passt ins 13-Std-Fenster?
Zwei Kurzpendler (20 km) 6 + 6 = 12 kWh ~1,1 Stunden Ja – mit 12 Stunden Reserve
Ein kurz + ein mittel (20 + 40 km) 6 + 12 = 18 kWh ~1,6 Stunden Ja – locker
Zwei Mittelpendler (40 km) 12 + 12 = 24 kWh ~2,2 Stunden Ja – mit Umstecken
Zwei Langpendler (60 km) 18 + 18 = 36 kWh ~3,3 Stunden Ja – problemlos
Zwei Vielfahrer (80 km) 24 + 24 = 48 kWh ~4,4 Stunden Ja – mit rechtzeitigem Umstecken

Berechnung: ca. 18 kWh/100 km Durchschnittsverbrauch deutscher E-Autos (ADAC-Ecotest).

Für die große Mehrheit der Zwei-E-Auto-Haushalte reicht eine 11-kW-Wallbox für beide Autos in einer Nacht. Der Haken: Jemand muss das Kabel umstecken. Nutzen Sie unseren Ladezeit-Rechner, um die genaue Ladedauer für Ihre Fahrzeuge zu berechnen.

Tipps für effizientes zeitversetztes Laden

  • Abfahrtszeit-Funktion nutzen: Die meisten smarten Wallboxen (go-eCharger, Wallbox Pulsar Plus) und Fahrzeug-Apps lassen Sie eine Abfahrtszeit und ein Ladeziel einstellen. So lädt Auto 1 genau so viel, wie es braucht – und Sie stecken früher um.
  • Auto-Timer nutzen: Viele E-Autos (besonders Tesla, VW ID-Modelle, BMW) können die Ladung selbst zeitlich steuern. Stellen Sie Auto 1 auf 18:00–22:00 Uhr, stecken Sie dann Auto 2 ein.
  • Langes Ladekabel hilft: Ein 7-Meter-Ladekabel erreicht oft beide Stellplätze von einer zentral montierten Wallbox aus – das Umstecken wird einfacher.

Vorteile

  • Keine Zusatzkosten – keine zweite Wallbox, kein zusätzlicher Stromkreis, keine Elektrikerarbeit
  • Funktioniert mit jeder Wallbox-Marke
  • Keine Belastung des Hausanschlusses über das bestehende Niveau hinaus
  • Perfekt für Haushalte mit kurzen bis mittleren Pendelstrecken

Nachteile

  • Erfordert manuelles Umstecken (um Mitternacht aufstehen ist lästig)
  • Wenn Sie vergessen umzustecken, ist morgens ein Auto nicht geladen
  • Nicht ideal, wenn beide Fahrer lange Strecken fahren und volle Ladungen brauchen
  • Mehr Verschleiß am Ladestecker durch häufiges Ein- und Ausstecken (über Jahre minimal)

Option 4: 11-kW-Wallbox + Schuko-Laden kombinieren

Diese Hybrid-Strategie wird oft unterschätzt und ist häufig die praktischste Lösung: Das Langstrecken-Auto bekommt die Wallbox, das Kurzstrecken-Auto lädt an der Schuko-Steckdose.

Warum das funktioniert

Laden an der Schuko-Steckdose (230V/10A mit dem mitgelieferten Notladekabel) liefert etwa 2,3 kW. Das klingt langsam – und ist es auch für eine Volladung. Aber für den täglichen Nachladebedarf reicht es oft aus:

Tägliche Fahrstrecke kWh-Bedarf Ladezeit an Schuko (2,3 kW) Über Nacht machbar (13 Std)?
15 km ~3 kWh 1,3 Stunden Ja – locker
25 km ~5 kWh 2,2 Stunden Ja
40 km ~7 kWh 3,0 Stunden Ja
60 km ~11 kWh 4,8 Stunden Ja
80 km ~14 kWh 6,1 Stunden Ja – passt noch
100+ km ~18+ kWh 7,8+ Stunden Knapp – besser Wallbox

Berechnung: Schuko-Laden mit 230V/10A = 2,3 kW. Verbrauch 18 kWh/100 km.

Wenn eines Ihrer E-Autos ein Kurzstreckenfahrzeug ist (unter 80 km täglich), kann Schuko-Laden über Nacht den Tagesbedarf decken – ohne Elektrikerarbeit, ohne zusätzliche Kosten. Das andere Auto bekommt die 11-kW-Wallbox.

So richten Sie es ein

  • Auto 1 (lange Pendelstrecke / großer Akku): 11-kW-Wallbox auf eigenem Drehstromkreis – volle Ladegeschwindigkeit über Nacht
  • Auto 2 (kurze Strecken / Zweitwagen): Notladekabel (ICCB) an einer Schuko-Steckdose in der Garage – langsames, aber ausreichendes Nachladen

Wichtig: Steckdose prüfen lassen

Schuko-Laden zieht dauerhaft 10 Ampere über viele Stunden. Das ist nahe am Maximum einer normalen 16-A-Sicherung (Dauerlastgrenze: 13 A nach der 80%-Regel). Lassen Sie einen Elektriker prüfen:

  • Ist die Steckdose auf einem eigenen Stromkreis oder teilt sie sich einen mit Garagentor, Licht und Werkzeug?
  • Sind Steckdose und Kabel in gutem Zustand? Alte, lockere Steckdosen können bei Dauerlast überhitzen
  • Idealerweise eine Schuko-Steckdose mit Überhitzungsschutz installieren (z.B. von ABL oder Mennekes, ca. 30–50 €)

Vorteile

  • Keine oder minimale Zusatzkosten – die Schuko-Steckdose ist meist schon vorhanden
  • Keine zusätzliche Belastung des Hausanschlusses – Schuko-Laden zieht nur 2,3 kW
  • Keine zweite Wallbox nötig – das mitgelieferte Notladekabel reicht
  • Gesamtkosten: 0–100 € (falls eine neue Steckdose nötig ist)

Nachteile

  • Schuko-Laden ist zu langsam für Langstreckenfahrer (100+ km täglich)
  • Nach einer langen Fahrt braucht das Kurzstrecken-Auto einen ganzen Tag zum Nachladen
  • Keine Langzeitlösung, wenn sich die Nutzung des Zweitwagens ändert
  • Manche E-Auto-Fahrer empfinden es als unbefriedigend, den Ladestand nur langsam steigen zu sehen

Mehr zum Vergleich verschiedener Ladegeschwindigkeiten finden Sie in unserem Typ-1-vs-Typ-2-Ratgeber.

Installationskosten für zwei Wallboxen in Deutschland

Die Gesamtkosten hängen stark von der gewählten Lösung und Ihrem bestehenden Hausanschluss ab. Hier der vollständige Kostenvergleich aller vier Optionen:

Setup Wallbox-Hardware Elektroinstallation Hausanschluss-Upgrade? Gesamtkosten
Zwei Wallboxen (3 × 50 A+ Anschluss) 600–1.600 € 500–1.200 € Meist nicht 1.100–2.800 €
Zwei Wallboxen (3 × 35 A Anschluss) 600–1.600 € 500–1.200 € Ja (+1.000–3.000 €) 2.100–5.800 €
Zwei Wallboxen mit Lastmanagement 600–1.400 € 400–1.000 € Selten 1.000–2.400 €
Eine Wallbox, zeitversetzt 0 € (vorhanden) 0 € Nein 0 €
Wallbox + Schuko-Laden 0 € (vorhanden) 0–100 € Nein 0–100 €

Wo die 1.000–2.500 € typischerweise hergehen

Für das häufigste Szenario – eine zweite Wallbox zum vorhandenen Setup hinzufügen – verteilen sich die Kosten so:

  • 400–700 €: Wallbox-Hardware (z.B. ABL eMH1 für 429 € oder Heidelberg Energy Control für 459 €)
  • 150–350 €: FI-Schutzschalter Typ A EV oder Typ B (entfällt bei Wallboxen mit integriertem DC-Fehlerstromschutz wie der ABL eMH1)
  • 100–400 €: Kabelverlegung vom Zählerkasten zur Wallbox (je nach Entfernung: 5-Meter-Strecke = günstig, 20-Meter-Strecke durch Wand und Keller = teurer)
  • 300–600 €: Elektriker-Arbeitszeit (Zählerkasten anpassen, Kabel verlegen, Wallbox anschließen, Prüfprotokoll erstellen)

Spartipp: Beide Wallboxen gleichzeitig installieren

Wenn Sie wissen, dass ein zweites E-Auto kommt, lassen Sie beide Wallboxen in einem Termin installieren. Sie sparen Anfahrtskosten (75–150 €), der Elektriker kann beide Kabelstränge gleichzeitig verlegen, und eine Anmeldung beim Netzbetreiber deckt oft beide Wallboxen ab. Ersparnis: 200–500 € gegenüber zwei separaten Terminen.

Details zu allen Installationskosten finden Sie in unserem Ratgeber zu Wallbox-Installationskosten.

Praxisbeispiel: Laderechnung für zwei E-Autos

Rechnen wir konkret durch, was das Laden von zwei E-Autos im Alltag kostet. Wir nehmen einen deutschen Durchschnittsstrompreis von 0,35 €/kWh an (bzw. 0,25 €/kWh mit Nachtstromtarif).

Szenario 1: VW ID.4 + BMW iX1 (typischer Pendlerhaushalt)

Parameter VW ID.4 (77 kWh) BMW iX1 (66 kWh)
Tägliche Pendelstrecke 50 km 30 km
Täglicher Energiebedarf ~9 kWh ~5,5 kWh
Zusammen täglich 14,5 kWh
11-kW-Wallbox – Ladezeit gesamt 1,3 Stunden (mit Umstecken)
Zwei 11-kW-Wallboxen gleichzeitig 0,8 Stunden 0,5 Stunden
Lastmanagement (je 5,5 kW) 1,6 Stunden 1,0 Stunde
Tägliche Stromkosten (0,35 €/kWh) 5,08 €
Tägliche Kosten mit Nachtstrom (0,25 €/kWh) 3,63 €
Monatliche Stromkosten 109–152 €

Beste Lösung: Zeitversetztes Laden oder Wallbox + Schuko. Der Gesamtbedarf von 14,5 kWh ist in 1,3 Stunden geladen – massig Zeit in einem 13-Stunden-Fenster. Eine zweite Wallbox wäre komfortabel, aber nicht nötig.

Szenario 2: Tesla Model 3 + Hyundai Ioniq 5 (zwei Mittelpendler)

Parameter Tesla Model 3 (60 kWh) Hyundai Ioniq 5 (77 kWh)
Tägliche Pendelstrecke 60 km 50 km
Täglicher Energiebedarf ~10 kWh ~9 kWh
Zusammen täglich 19 kWh
11-kW-Wallbox – Ladezeit gesamt 1,7 Stunden (mit Umstecken)
Lastmanagement (je 5,5 kW) 1,8 Stunden 1,6 Stunden
Tägliche Stromkosten (0,35 €/kWh) 6,65 €
Monatliche Stromkosten 150–200 €

Beste Lösung: Lastmanagement oder zeitversetztes Laden. Beide funktionieren problemlos. Lastmanagement bietet mehr Komfort (kein Umstecken nötig), zeitversetztes Laden spart die Kosten für eine zweite Wallbox.

Szenario 3: Zwei Langpendler mit Mercedes EQA + VW ID.3

Parameter Mercedes EQA (66 kWh) VW ID.3 (77 kWh)
Tägliche Pendelstrecke 80 km 70 km
Täglicher Energiebedarf ~15 kWh ~13 kWh
Zusammen täglich 28 kWh
11-kW-Wallbox – Ladezeit gesamt 2,5 Stunden (mit Umstecken)
Zwei 11-kW-Wallboxen gleichzeitig 1,4 Stunden 1,2 Stunden
Lastmanagement (je 5,5 kW) 2,7 Stunden 2,4 Stunden
Tägliche Stromkosten (0,35 €/kWh) 9,80 €
Monatliche Stromkosten 220–294 €

Beste Lösung: Hier lohnt sich Lastmanagement oder zwei separate Wallboxen. Zeitversetztes Laden funktioniert zwar (2,5 Stunden passen ins Nachtfenster), aber das Umstecken wird zum Alltagsproblem. Lastmanagement bietet den besten Kompromiss: Beide Autos laden gleichzeitig in unter 3 Stunden – ganz ohne Aufstehen um Mitternacht.

Fazit

Für die meisten Zwei-E-Auto-Haushalte liegt der tägliche Ladebedarf bei 15–30 kWh. Eine einzelne 11-kW-Wallbox schafft das in 1,5–3 Stunden – weit innerhalb des Nachtfensters. Die zweite Wallbox oder Lastmanagement ist ein Komfort-Upgrade, aber für die Mehrheit keine Notwendigkeit. Berechnen Sie Ihre individuellen Kosten mit unserem Ladekosten-Rechner.

Vergleich mit dem Verbrenner

Zum Perspektivwechsel: Zwei Verbrenner mit einem Verbrauch von je 7 l/100 km und 15.000 km Jahresfahrleistung kosten bei 1,75 €/Liter Benzin zusammen 3.675 € pro Jahr an Sprit. Zwei E-Autos mit dem gleichen Fahrprofil kosten bei 0,35 €/kWh etwa 1.890 € pro Jahr an Strom – eine Ersparnis von rund 1.785 € jährlich. Nutzen Sie unseren E-Auto-vs-Verbrenner-Rechner für Ihre individuelle Berechnung.

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Häufig gestellte Fragen

Kann ich zwei Wallboxen an einem Hausanschluss mit 3 × 35 A betreiben?

Ja, mit Lastmanagement. Ein Hausanschluss mit 3 × 35 A liefert maximal ~24 kW. Da der Haushalt selbst 8–12 kW braucht, bleiben 12–16 kW für Wallboxen. Zwei 11-kW-Wallboxen (22 kW) würden den Anschluss überlasten. Mit Lastmanagement teilen sich beide Wallboxen die verfügbare Restleistung automatisch auf – z.B. je 6 kW statt je 11 kW. Das reicht nachts völlig aus: 6 kW laden in 4 Stunden rund 24 kWh – mehr als der typische Tagesbedarf eines Pendlers. Lesen Sie unseren Ratgeber zum Stromkreis für Details.

Muss ich zwei Wallboxen beim Netzbetreiber anmelden?

Ja, jede Wallbox einzeln. Nach der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) besteht für alle Wallboxen eine Meldepflicht beim zuständigen Netzbetreiber. Wallboxen bis 11 kW müssen gemeldet werden (formlos, keine Genehmigung nötig). Wallboxen über 11 kW (z.B. 22 kW) brauchen eine Genehmigung. Tipp: Melden Sie beide Wallboxen gleichzeitig an und geben Sie das geplante Lastmanagement an – das vereinfacht die Prüfung durch den Netzbetreiber erheblich.

Was kostet es, zwei Wallboxen zuhause zu installieren?

Die Kosten liegen je nach Lösung zwischen 0 und 4.100 €. Zeitversetztes Laden mit einer vorhandenen Wallbox kostet nichts. Zwei Wallboxen mit Lastmanagement kosten typischerweise 1.000–2.400 € (inkl. Hardware und Installation). Zwei unabhängige Wallboxen auf separaten Stromkreisen liegen bei 1.600–4.100 €. Ein Hausanschluss-Upgrade (falls nötig) kommt mit 1.000–3.000 € hinzu. Details finden Sie in unserem Installationskosten-Ratgeber.

Brauche ich für zwei E-Autos einen stärkeren Hausanschluss?

Nicht unbedingt. Mit Lastmanagement können zwei 11-kW-Wallboxen an einem Standard-Hausanschluss (3 × 35 A) betrieben werden, ohne Upgrade. Das Lastmanagement drosselt die Wallboxen automatisch, wenn der Hausverbrauch hoch ist, und gibt nachts volle Leistung frei. Ein Upgrade auf 3 × 50 A oder 3 × 63 A ist nur nötig, wenn Sie zwei Wallboxen dauerhaft mit voller Leistung gleichzeitig betreiben möchten – was im Alltag selten erforderlich ist.

Welche Wallbox eignet sich am besten für zwei E-Autos?

Für zwei E-Autos empfehlen wir Wallboxen mit integriertem Lastmanagement. Der go-eCharger Gemini flex 2.0 (ab 646 €) bietet das flexibelste Lastmanagement mit offener API. Die Heidelberg Energy Control (ab 459 €) unterstützt bis zu 16 Wallboxen in Reihe – ideal für einfaches, zuverlässiges Setup. Die Wallbox Pulsar Plus (ab 600 €) hat das beste dynamische Lastmanagement (Power Boost + Power Sharing) mit der besten App. Wichtig: Kaufen Sie zwei Wallboxen vom gleichen Hersteller, damit das Lastmanagement funktioniert.

Reicht eine 11-kW-Wallbox für zwei Elektroautos?

Ja, in den meisten Fällen. Der typische Zwei-E-Auto-Haushalt braucht 15–30 kWh pro Nacht. Eine 11-kW-Wallbox liefert das in 1,5–3 Stunden – weit innerhalb des 13-Stunden-Nachtfensters. Sie müssen lediglich das Ladekabel einmal umstecken. Für zwei Pendler mit je 50 km Fahrstrecke brauchen Sie nur 2 Stunden Ladezeit insgesamt. Berechnen Sie Ihre genaue Ladedauer mit unserem Ladezeit-Rechner.

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CheapEVCharger Team

Wir sind ein unabhängiges Team von E-Mobilität-Experten und testen seit 2024 Wallboxen für den deutschen und amerikanischen Markt. Unsere Bewertungen basieren auf Praxistests, technischer Analyse und echten Nutzererfahrungen — ohne Einfluss von Herstellern.

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