Wann ist die beste Zeit, das Elektroauto zu laden?
Wer sein Elektroauto zuhause lädt, zahlt je nach Tarif und Tageszeit sehr unterschiedliche Preise. Während der Grundversorger-Tarif bei rund 0,35 €/kWh liegt, können Sie mit dem richtigen Tarif und cleverem Ladezeitmanagement auf unter 0,20 €/kWh kommen – oder sogar noch weniger, wenn Sie Überschüsse aus der eigenen PV-Anlage nutzen.
In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, welche Tarifmodelle es in Deutschland gibt, wann der Strom am günstigsten ist und wie Sie Ihre Wallbox so einstellen, dass sie automatisch zum besten Zeitpunkt lädt.
Wann ist Strom am günstigsten?
Die Strompreise in Deutschland schwanken je nach Angebot und Nachfrage. Grundsätzlich gilt:
- Teuer: Werktags zwischen 7:00 und 20:00 Uhr (Hochtarif/HT), besonders 17:00–20:00 Uhr (Spitzenlast)
- Günstig: Nachts zwischen 22:00 und 6:00 Uhr (Niedrigtarif/NT)
- Am günstigsten: Sonntags und an Feiertagen, besonders mittags bei hoher Solareinspeisung
Warum schwanken die Preise?
Der Großhandelspreis an der Strombörse (EPEX Spot) ändert sich stündlich. Nachts ist die Nachfrage gering, während Windkraftanlagen oft weiter Strom produzieren. Tagsüber treibt die Nachfrage aus Industrie, Gewerbe und Haushalten den Preis nach oben. An sonnigen Tagen drückt die Photovoltaik den Börsenpreis mittags deutlich – manchmal sogar ins Negative.
Beim klassischen Festpreistarif merken Sie davon nichts: Sie zahlen immer den gleichen kWh-Preis. Aber es gibt Tarifmodelle, die Ihnen ermöglichen, von den günstigen Zeiten zu profitieren.
Rechenbeispiel: Was bringt es?
Angenommen, Sie fahren 15.000 km/Jahr und verbrauchen 18 kWh/100 km:
| Tarif | kWh-Preis | Jahreskosten Laden |
|---|---|---|
| Grundversorger (Festpreis) | 0,36 € | 972 € |
| HT/NT-Tarif (nur NT laden) | 0,25 € | 675 € |
| Dynamisch (optimiert) | 0,18 € | 486 € |
| Eigene PV-Anlage | 0,08–0,12 € | 216–324 € |
Die Differenz zwischen dem teuersten und günstigsten Szenario beträgt fast 750 € pro Jahr. Das lohnt sich.
HT/NT-Tarife und Nachtstrom
Das klassische HT/NT-Modell (Hochtarif/Niedrigtarif) kennt man in Deutschland seit Jahrzehnten von Nachtspeicherheizungen. Mittlerweile bieten es auch viele Versorger für E-Auto-Fahrer an.
Wie funktioniert HT/NT?
Sie haben einen Zweitarif-Zähler, der zwischen Hoch- und Niedrigtarifzeiten unterscheidet. Typische Zeitfenster:
- HT (Hochtarif): Montag–Freitag, 6:00–22:00 Uhr → ca. 0,33–0,38 €/kWh
- NT (Niedrigtarif): Täglich 22:00–6:00 Uhr + Wochenende → ca. 0,22–0,28 €/kWh
Die genauen Zeiten und Preise variieren je nach Netzbetreiber und Versorger. Manche Tarife haben auch ein Samstags-Fenster im NT-Bereich.
Voraussetzungen
- Zweitarif-Zähler: Wenn Sie noch keinen haben, muss der Netzbetreiber einen einbauen (Kosten: 50–100 € einmalig + leicht höhere Grundgebühr)
- Timer in der Wallbox oder im Auto: Damit das Laden zuverlässig nur im NT-Fenster stattfindet
Spezielle E-Auto-Stromtarife
Einige Versorger bieten dedizierte E-Auto-Tarife mit besonders günstigem Nachtstrom an:
- ADAC e-Charge Zuhause: Separater Zähler für die Wallbox, reduzierter Nachtpreis
- EnBW Autostrom: Spezialtarif für Wallbox-Nutzer
- E.ON Drive Zuhause: Kombination aus Haushaltsstrom und günstigem Wallbox-Strom
Ein separater Zähler für die Wallbox hat einen weiteren Vorteil: Sie können die Ladekosten exakt nachvollziehen und – bei gewerblicher Nutzung – steuerlich geltend machen.
Dynamische Stromtarife: Tibber, aWATTar & Co.
Dynamische Stromtarife sind der Gamechanger für E-Auto-Fahrer. Statt eines festen kWh-Preises zahlen Sie den stundengenauen Börsenpreis (EPEX Spot) plus einen festen Aufschlag für Netzentgelte, Steuern und die Marge des Anbieters.
Die wichtigsten Anbieter in Deutschland
- Tibber: Der bekannteste Anbieter. Monatliche Grundgebühr 5,99 €, kein Aufschlag auf den Börsenpreis. Benötigt den Tibber Pulse am Smart Meter.
- aWATTar: Ähnliches Modell, Grundgebühr 4,99 €/Monat, stundengenauer Börsenpreis. API-Schnittstelle für smarte Wallboxen.
- Ostrom: Dynamischer Tarif mit App-Steuerung, automatische Optimierung verfügbar.
- 1Komma5°: Kombination aus PV, Speicher, Wärmepumpe und dynamischem Tarif – das Rundum-Paket.
Was bringt ein dynamischer Tarif konkret?
Im Jahr 2025 lag der durchschnittliche EPEX-Spot-Preis in Deutschland bei ca. 0,08–0,12 €/kWh (netto, ohne Netzentgelte/Steuern). Mit Netzentgelten, Abgaben und Steuern ergibt sich ein effektiver Preis von ca. 0,15–0,25 €/kWh – je nach Tageszeit. In günstigen Nachtstunden oder bei Starkwind kann der Preis auf unter 0,10 €/kWh fallen.
Wichtig: Dynamische Tarife schwanken auch nach oben. An teuren Abenden (Dunkelflaute im Winter) kann der Preis auf 0,50 €/kWh oder mehr steigen. Deshalb ist es essenziell, die Ladung auf günstige Stunden zu verlegen.
Voraussetzungen für dynamische Tarife
- Smart Meter: Ein digitaler Stromzähler mit Kommunikationsmodul ist Pflicht. Seit 2025 haben Verbraucher mit über 6.000 kWh Jahresverbrauch Anspruch auf einen Smart Meter.
- Smarte Wallbox: Die Wallbox muss Ladevorgänge per API oder Energiemanagementsystem steuern können. Kompatibel sind u. a.: go-eCharger, Easee, openWB, EVCC (Open Source).
- Energiemanagementsystem (optional): Software wie EVCC, Home Assistant oder herstellereigene Lösungen optimieren den Ladezeitpunkt automatisch anhand der Börsenpreise.
Smarte Wallbox-Steuerung einrichten
Damit Ihre Wallbox automatisch zum günstigsten Zeitpunkt lädt, brauchen Sie eine intelligente Steuerung. Es gibt verschiedene Ansätze:
Variante 1: Timer im Auto oder in der Wallbox
Der einfachste Ansatz: Sie stellen einen festen Ladezeitraum ein, z. B. 23:00–6:00 Uhr. Das funktioniert mit jedem HT/NT-Tarif und braucht keine smarte Technik. Nachteile: Sie nutzen nicht die stundengenau günstigsten Preise, und bei dynamischen Tarifen verpassen Sie Sparpotenzial.
Variante 2: Wallbox mit Tarifanbindung
Manche Wallboxen lassen sich direkt mit Tibber, aWATTar oder anderen Anbietern verbinden:
- go-eCharger: Integrierte Tibber-/aWATTar-Anbindung, lädt automatisch in den günstigsten Stunden
- Easee: Easee Charge unterstützt dynamische Tarife über die Easee-App
- Zaptec: Tarif-Integration über das Zaptec-Portal
Die Einrichtung erfolgt in der App: Sie wählen Ihren Tarif-Anbieter, geben an, bis wann das Auto fertig geladen sein muss, und die Wallbox verteilt die Ladung automatisch auf die günstigsten Stunden.
Variante 3: EVCC (Open Source)
EVCC (Energy Vehicle Charge Controller) ist eine deutsche Open-Source-Software, die auf einem Raspberry Pi oder Mini-PC läuft. EVCC kann:
- Dynamische Tarife von Tibber, aWATTar, Ostrom & Co. abfragen
- PV-Überschussladen steuern
- Über 50 Wallbox-Modelle ansteuern
- Mit Wechselrichtern, Batteriespeichern und Smart Metern kommunizieren
Für technisch versierte Nutzer ist EVCC die flexibelste Lösung. Die Community ist sehr aktiv, und die Dokumentation ist hervorragend.
Was lässt sich sparen?
Mit einer smarten Steuerung und einem dynamischen Tarif sparen Sie gegenüber einem Festpreistarif typischerweise 30–50 Prozent der Ladekosten. Bei 15.000 km/Jahr und 18 kWh/100 km Verbrauch sind das 300–500 € pro Jahr. Berechnen Sie Ihre individuelle Ersparnis mit unserem Ladekosten-Rechner.
PV-Überschussladen: Laden mit eigenem Solarstrom
Wer eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat, kann sein Elektroauto quasi zum Selbstkostenpreis laden. Die Gestehungskosten für Solarstrom liegen bei 0,06–0,12 €/kWh – ein Bruchteil des Netzstrompreises.
So funktioniert PV-Überschussladen
Beim PV-Überschussladen wird die Wallbox nur dann aktiviert, wenn mehr Solarstrom erzeugt wird, als der Haushalt gerade verbraucht. Der Überschuss fließt ins Auto statt ins Netz (wo er nur ca. 0,08 €/kWh Einspeisevergütung bringt).
Die Herausforderung: Die Ladeleistung muss dynamisch an den verfügbaren Überschuss angepasst werden. Dafür brauchen Sie:
- Einen Smart Meter oder Energiezähler am Hausanschluss, der den aktuellen Netzbezug misst
- Eine kompatible Wallbox, die ihre Ladeleistung stufenlos oder in feinen Stufen regeln kann
- Einen Energiemanager (z. B. EVCC, SMA Sunny Home Manager, Fronius Wattpilot)
Mindesteinspeiseleistung beachten
Dreiphasiges AC-Laden braucht mindestens 1,4 kW pro Phase (4,2 kW gesamt). Wenn Ihre PV-Anlage weniger Überschuss liefert, kann einphasiges Laden (ab 1,4 kW) helfen – sofern Ihre Wallbox das unterstützt. EVCC kann z. B. automatisch zwischen 1- und 3-phasigem Laden umschalten.
Lohnt sich ein Batteriespeicher zusätzlich?
Ein Batteriespeicher puffert PV-Strom für die Nachtstunden. Für E-Auto-Fahrer ist er aber weniger entscheidend als für reine Haushaltskunden, weil Sie tagsüber Überschuss direkt ins Auto laden können. Die Wallbox ersetzt quasi den Batteriespeicher. Trotzdem kann ein kleiner Speicher (5–10 kWh) sinnvoll sein, um den Haushaltsverbrauch abends und nachts mit Solarstrom zu decken.
§14a EnWG: Reduzierte Netzentgelte für Wallboxen
Seit dem 1. Januar 2024 gilt die Neuregelung des §14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Wallboxen werden als steuerbare Verbrauchseinrichtungen eingestuft. Das bedeutet: Der Netzbetreiber darf bei Netzengpässen die Ladeleistung temporär auf mindestens 4,2 kW drosseln. Im Gegenzug erhalten Sie reduzierte Netzentgelte.
Was bedeutet das in der Praxis?
- Die Drosselung betrifft nur die Wallbox, nicht den übrigen Haushaltsstrom
- 4,2 kW reichen für ca. 25 km Reichweite pro Stunde – für nächtliches Laden in den meisten Fällen ausreichend
- Drosselungen finden typischerweise in Spitzenlastzeiten statt (17:00–21:00 Uhr) und dauern selten länger als 1–2 Stunden
- In der Praxis berichten viele Nutzer, dass Drosselungen bisher selten bis nie vorkommen
Wie hoch ist die Ersparnis?
Die Netzentgeltreduzierung wird je nach Netzbetreiber unterschiedlich umgesetzt. Die Bundesnetzagentur sieht drei Module vor:
- Modul 1: Pauschale Reduzierung der jährlichen Netzentgelte (ca. 110–190 €/Jahr je nach Region)
- Modul 2: Reduzierter Arbeitspreis für den Wallbox-Stromkreis (ca. 60 % des normalen Netzentgelts)
- Modul 3: Ermäßigter Leistungspreis
In vielen Fällen spart die Regelung 100–200 € pro Jahr – ohne spürbaren Komfortverlust. Ihr Elektroinstallateur meldet die Wallbox beim Netzbetreiber als steuerbar an. Fragen Sie Ihren Stromanbieter, wie die Ersparnis auf Ihren Tarif angerechnet wird.
Noch mehr Tipps zum günstigen Laden finden Sie in unserem großen Lade-Ratgeber.
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Häufig gestellte Fragen
Wann ist der Strom zum E-Auto-Laden am günstigsten?
Am günstigsten ist Strom in der Regel nachts zwischen 0:00 und 5:00 Uhr sowie an Sonntagen. Bei dynamischen Tarifen (Tibber, aWATTar) können Sie den Preis stundengenau verfolgen. Mittags bei Sonnenschein fällt der Börsenpreis ebenfalls oft stark – ideal für PV-Überschussladen.
Lohnt sich ein dynamischer Stromtarif für E-Auto-Fahrer?
Ja, sehr. Bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 km sparen E-Auto-Fahrer mit einem dynamischen Tarif und smarter Wallbox-Steuerung typischerweise 300–500 € pro Jahr gegenüber einem Festpreistarif. Voraussetzung ist ein Smart Meter und eine kompatible Wallbox.
Brauche ich für einen Nachtstromtarif einen zweiten Zähler?
Für klassische HT/NT-Tarife benötigen Sie einen Zweitarif-Zähler (Doppeltarifzähler). Dieser wird vom Netzbetreiber eingebaut (Kosten: ca. 50–100 €). Bei dynamischen Tarifen genügt ein moderner Smart Meter – ein separater Zähler ist nicht zwingend nötig, kann aber für die genaue Kostenerfassung sinnvoll sein.
Kann ich mein Elektroauto mit der PV-Anlage laden?
Ja. Mit PV-Überschussladen nutzen Sie überschüssigen Solarstrom zum Laden Ihres E-Autos. Sie brauchen dafür eine steuerbare Wallbox und einen Energiemanager (z. B. EVCC, SMA Sunny Home Manager). Die Gestehungskosten für Solarstrom liegen bei 0,06–0,12 €/kWh – günstiger geht es nicht.
Was bringt §14a EnWG für Wallbox-Besitzer?
Nach §14a EnWG können Sie Ihre Wallbox als steuerbare Verbrauchseinrichtung anmelden und erhalten dafür reduzierte Netzentgelte (ca. 100–200 €/Jahr Ersparnis). Im Gegenzug darf der Netzbetreiber die Ladeleistung bei Engpässen auf 4,2 kW drosseln – was in der Praxis selten vorkommt und für nächtliches Laden kaum ins Gewicht fällt.